Angina pectoris

Was ist Angina pectoris?

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Angina pectoris ist das Hauptsymptom der so genannten koronaren Herzerkrankung (Erkrankung der Herzkranzgefäße), die mit einer Minderversorgung des Herzmuskels oder einem gesteigerten Bedarf des Körpers an Sauerstoff einhergeht. Das typische Beschwerdebild sind Schmerzen in der Herzgegend, meist hinter dem Brustbein, Engegefühl im Brustkorb und Atembeklemmungen. Die Beschwerden können auch ausstrahlen und als Magen-, Zahn- oder Armschmerzen missgedeutet werden. Frauen klagen häufiger über Schmerzen im Bauchbereich, Müdigkeit und Kurzatmigkeit. Schmerzen im Brustbereich veranlassen viele Menschen, den Notarzt zu rufen. Allerdings müssen Brustschmerzen nicht immer ein Hinweis auf eine Herzinfarkt sein. Beispielsweise können Erkrankungen des Magens, der Speiseröhre oder der Lunge die gleichen Beschwerden hervorrufen. Wichtig ist, die Ursachen der Beschwerden zu erkennen und zu behandeln.



Wie kommt es zu Angina pectoris?

Angina pectoris kann verschiedene Ursachen haben. Die häufigste Ursache ist eine Einengung eines oder mehrerer Herzkranzgefäße (Koronararterien), meist auf Grund einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Die Herzkranzgefäße versorgen normalerweise das Herz mit Blut. Kommt es zu einer Verengung von mehr als 75 Prozent, so wird der Herzmuskel nicht mehr ausreichend durchblutet - eine Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff und Nährstoffen ist die Folge. Das führt zu Schmerzen (Angina pectoris) und Atemnot, die sich zunächst bei körperlicher Anstrengung, im weiteren verlauf auch in Ruhe bemerkbar machen.

Folgende Risikofaktoren führen zu einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose) der Herzkranzgefäße:

  • Erhöhter Cholesterinspiegel
  • Rauchen
  • Erhöhter Blutdruck (Hypertonie)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes), sowohl Typ 1, als auch Typ 2. Auf Grund einer diabetischen Nervenerkrankung kann die Angina pectoris bei diesen Patienten oft mit nur wenig oder gänzlich ohne Schmerzen (stumm) auftreten.
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • erbliche Veranlagung zu Arterienverkalkung (Arteriosklerose)<
  • Männliches Geschlecht
  • Erhöhte Werte des C-reaktiven Proteins (CRP)

Umstritten ist, ob ein erhöhter Wert des Eiweißbausteins (Aminosäure) Homocystein einen Risikofaktor darstellt. Auch andere Erkrankungen wie Blutmangel (Anämie), Stoffwechselerkrankungen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion), Herzrhythmusstörungen oder Herzklappenfehler können Angina pectoris Beschwerden verursachen oder verschlimmern.

Bei einer Variante der Angina pectoris, der so genannten Prinzmetal-Angina, führt eine Verkrampfung der Herzkranzgefäße zu Beschwerden.



Welche Symptome treten auf?

Das häufigste Symptom der Angina pectoris ist ein drückender Schmerz hinter dem Brustbein, der durch körperliche oder psychische Belastungen ausgelöst wird und nur von kurzer Dauer ist. Die Schmerzen können auch in den linken Arm bis in die Hand, in beide Arme, in den Hals, den Unterkiefer und die Zähne oder in den Bauch ausstrahlen. Es können auch weitere Symptome auftreten:

  • Beklemmendes, würgendes Gefühl im Hals
  • Plötzliche Atemnot
  • Angst: Oft Todesangst und Erstickungsangst
  • Schweregefühl, Taubheitsgefühl oder Gefühllosigkeit in Arm, Schulter, Ellenbogen oder Hand - zumeist auf der linken Seite

Bei Frauen äussern sich die Beschwerden meist anders als bei Männern. Nur etwa ein Drittel der Frauen klagt über Brustschmerzen. Angina pectoris macht sich bei Frauen in Form von Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Magenbeschwerden bemerkbar.
Treten die Beschwerden zum ersten Mal auf, werden häufiger oder treten auch in Ruhe auf, so spricht man von einer instabilen Angina pectoris. Beim Auftreten einer instabilen Angina pectoris sollten Sie unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Hier droht ein akuter Herzinfarkt.



Wie diagnostiziert man Angina pectoris?

Der Arzt wird Sie zuerst nach den typischen Symptomen fragen. In der Anamnese (Krankengeschichte) wird er zusätzlich nach möglichen Ursachen für diese Beschwerden fragen.

Durch eine Blutuntersuchung können andere Erkrankungen wie Blutarmut und Schilddrüsenerkrankungen ausgeschlossen werden.
Da die Arteriosklerose die häufigste Ursache der Angina pectoris ist, wird zusätzlich ein EKG, ein Belastungs-EKG und eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens durchgeführt. In manchen Fällen wird die Durchblutung des Herzens mit einer Herzkatheteruntersuchung oder einer Myokardszintigraphie beurteilt.

Wichtig ist es, einen akuten Herzinfarkt auszuschließen, da dieser die gleichen Beschwerden verursachen kann wie die Angina pectoris.



Wie wird die Angina pectoris behandelt?

Die Behandlung der Angina pectoris hängt von den Ursachen ab. Bei einer Arteriosklerose stehen die Behandlung oder Reduzierung der Risikofaktoren im Vordergrund. Hören Sie daher auf zu Rauchen, ernähren Sie sich gesund, treiben Sie Sport und lassen Sie Ihren Bluthochdruck oder Ihren Diabetes richtig behandeln.

Folgende Medikamente können zusätzlich verordnet werden:

  • Blutgerinnungshemmende Medikamente: Verbessern die Fließfähigkeit des Blutes und beugen Blutgerinnseln vor.
  • Nitroglyzerin: In Tabletten- oder Spray-Form, wirken gefäßerweiternd und sofort (binnen Sekunden) bei Anfällen.
  • Langwirksames Nitroglyzerin: Zur Anfallsvorbeugung
  • Betablocker: Senken den Blutdruck und die Schlagfrequenz des Herzens und entlasten es auf diese Weise.
  • Cholesterinsenkende Medikamente: Unabhängig von ihrer Wirkung auf das Cholesterin können sie das Auftreten und Fortschreiten der Arteriosklerose verhindern.
  • Kalzium-Antagonisten: Wirken blutdrucksenkend und entkrampfen die Herzkranzgefäße.
  • ACE-Hemmer: Senken den Blutdruck und verbessern die Prognose bei Patienten mit einem hohen Risiko für Komplikationen

Ist ein medizinischer Eingriff erforderlich, kann ein verengtes Herzkranzgefäß aufgedehnt werden (PTCA), beziehungsweise mit einer Gefäßstütze (Stent) versorgt werden. Sind mehrer Gefäße betroffen, kann eine Bypass-Operation erforderlich sein. Hier wird die Verengung mittels einer Arterie oder Vene überbrückt.

Sind eine Blutarmut, eine Schilddrüsenerkrankung oder Herzrhythmusstörungen die Ursache der Angina pectoris, muss zuerst diese Grunderkrankung behandelt werden.



Was können Sie selbst tun?

Vorbeugen können Sie einer Arteriosklerose, die die häufigste Ursache für Angina pectoris ist, indem Sie ihre Risikofaktoren so weit wie möglich reduzieren oder behandeln lassen. Folgendes sollten Sie dabei beachten:

  • Hören Sie auf zu Rauchen.
  • Ernähren Sie sich gesund und fettarm.
  • Wenn Sie übergewichtig sind, sollten Sie abnehmen.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig, auch ein täglicher halbstündiger Spaziergang ist besser als gar kein Sport.
  • Achten Sie auf die optimale Behandlung eines Diabetes mellitus, eines hohen Blutdrucks oder erhöhter Blutcholesterinwerte.
  • Nehmen Sie verordnete Medikamente zuverlässig ein.


Wie ist die Prognose?

Angina pectoris (Herzenge) ist ein Warnsignal für einen drohenden Herzinfarkt. Um diese Komplikation zu vermeiden, sollten Sie daher - wenn sie Brustschmerzen haben - unverzüglich einen Arzt aufsuchen.