Raynaud-Syndrom

Historisches und Definition

Der französische Arzt Maurice RAYNAUD ( 1834-1881) beschrieb 1862 eine kälteinduzierte, phasenhaft ablaufende Durchblutungsstörung der Finger, daher der Name. Dieser Krankheit ist durch das anfallweise Weißwerden der ganzen Hand, einzelner Finger oder von Teilen der Finger (Fingerkuppen), gefolgt von einer tiefblauen Verfärbung und anschließenden Rötung gekennzeichnet. Oft sind nicht alle drei Phasen dieser häufig funktionellen Durchblutungsstörung vorhanden, z.B. bemerkt die/der Betroffene nur das Weiß- oder Blauwerden der Finger.



Allgemeinmaßnahmen

  • Schützen Sie sich insbesondere vor nasser Kälte. Sorgen Sie für warme Kleidung und besonders warme Handschuhe.
  • Schützen Sie sich vor Verletzungen, Sie neigen aufgrund Ihrer Durchblutungsstörung zur Wundheilungsstörung.
  • Mehr Bewegung! Sportliche Aktivität steigert den Blutdruck und fördert die Durchblutung.
  • Das Rauchen aufgeben! Meiden Sie verrauchte Räume. Nikotin verengt die Blutgefäße zusätzlich. Das verschlimmert die Beschwerden - die Erkrankung schreitet schneller voran.
  • Sorgen Sie für Entspannung! Versuchen Sie Situationen, die übermäßig Stress erzeugen, zu vermeiden oder ganz abzubauen.
  • Reduzieren Sie Ihren Kaffee- und schwarze Tee-Konsum sowie kaffeehaltige Schokoladen und Speisen, da Kaffee die Gefäße verengt.
  • Ernähren Sie sich gesund. Vitamine vor allem Vitamin B, C, E, und Folsäure haben einen schützenden Effekt auf die Gefäße.
  • Falls Sie Kopfschmerzen oder Schnupfen haben, bitte keine Selbstmedikation. Viele Schmerz- und Erkältungsmittel enthalten Stoffe, die die Gefäße verengen. Das gleiche gilt auch, wenn Sie unter niedrigem Blutdruck leiden.
  • Teilen Sie jedem Arzt, den Sie aufsuchen mit, dass Sie unter Durchblutungsstörung leiden.
  • Regelmäßige, jährliche Kontrolle in einer Fachambulanz.


Krankheitsverlauf

Was geschieht genau?
Der menschliche Körper braucht eine halbwegs konstante Kerntemperatur, um richtig funktionieren zu können und erreicht das dadurch, dass die Gefäße sich in kalter Umgebung verengen, um dem Wärmeverlust entgegenzuwirken, und sich in warmer Umgebung erweitern, damit sich die Hitze nicht anstaut. An dieser Regulation sind Nerven, Blutplättchen, Hormone sowie die Gefäßinnenschicht (Endothel) selbst beteiligt.
Bei Personen mit Raynaud scheint es ein Überschiessen dieser normalen (physiologischen) Reaktion zu geben, wobei sich die kleinen versorgenden Blutgefäße von Händen, Füßen, Ohren, Wange, Nase und sogar sehr selten der Brustwarzen zusammenziehen. Das Blut kann so nicht in die Extremitäten gelangen.
Durch das plötzliche krampfartige Zusammenziehen der kleinen versorgenden Gefäße (Gefäßkrampf, Spasmus) erscheinen die Finger bzw. Zehen plötzlich weiß, dann bläulich, kalt, starr und gefühllos. Ist die Attacke vorbei, meist in wärmerer oder weniger bedrängender Umgebung laufen die Finger (Zehen) dunkelrot an, beginnen zu beißen, jucken, brennen, stechen oder pochen. Die Attacken können wenige Minuten bis mehrer Stunden andauern.

Ursache
Die genaue Ursache der Raynaud-Krankheit ist noch nicht bekannt, aber viele Studien deuten darauf hin, dass die Raynaud-Symptome Zeichen unterschiedlichster Störungen sein können, die dazu führen, dass das Gleichgewicht zwischen gefäßverengenden und gefäßerweiternden Regulationsmechanismen der Gefäßweite gestört ist.

Auslösende Faktoren
Diese Symptome treten besonders bei Kälte auf, wobei die Kälte gar nicht ausgeprägt zu sein braucht. Typischerweise sind die Raynaud-Attacken im Winter häufiger; es reicht aber oft allein das Hineinfassen in einen Kühlschrank oder eine Tiefkühltruhe, der Griff ans kalte Lenkrad oder auch nur Händewaschen mit kaltem Wasser um einen Raynaud-Anfall auszulösen. Aber selbst das Meiden von Kälte kann nicht immer eine Abhilfe schaffen, Stress der bei den meisten Menschen kalte Hände verursacht, kann der Anstoß für eine Raynaud- Attacke auch in warmer Umgebung sein. Ursache sind Verkrampfungen (so genannte Spasmen) von kleineren Arterien.

Krankheitsformen
Man unterscheidet eine primäre und eine sekundäre Raynaud-Krankheit:

  • DIE PRIMÄRE RAYNAUD-KRANKHEIT: eine rein funktionelle Störung der kleine versorgenden Gefäße der Akren (Körperenden) ohne erkennbare Grunderkrankung. Charakteristisch ist ein beidseitiger Befall (Symmetrie) der Hände bzw. der Zehen, welche Daumen bzw. Großzehe meist ausspart, Manifestation vor dem 40. Lebensjahr und positive Familienanamnese; Frauen sind weitaus häufiger betroffen als Männer. Im Gegensatz zur sekundären Raynaud- Krankheit ist die Langzeitprognose hier günstig und es kommt fast nie zum Absterben der Fingerkuppen (Rattenbissphänomen), die Beschwerden lassen mit dem Alter nach. Diese Form ist die häufigste und kommt bei ca. 70% der Raynaud-Patienten vor.
  • DIE SEKUNDÄRE RAYNAUD-KRANKHEIT: häufig ungleicher Befall beider Hände und/oder Füße (asymmetrisch) als Ausdruck einer anderen zugrunde liegenden Erkrankung; teils ohne organische Gefäßerkrankung (Nervenschädigung wie z.B. bei Karpaltunnelsyndrom oder Medikamenten wie z.B. bei chronischer Einnahme von Migränemitteln etc.), meist aber mit organischer Gefäßerkrankung (vor allem Gefäßentzündung im Rahmen einer Bindegewebserkrankung, eine so genannten Kollagenose); und Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Beim Fortschreiten der Erkrankung kann es zu Wachstumsstörungen der Nägel sowie Absterben der Fingerkuppen (Rattenbissphänomen) kommen. Die Langzeitprognose hängt von der Grunderkrankung ab.

Auftreten - Häufigkeit
Raynaud-Krankheit tritt bei 3% bis 16% der Bevölkerung auf, wobei Frauen fünf bis zehnmal häufiger davon betroffen sind als Männer. Die ersten Symptome beginnen sich typischerweise im Alter von 14-40 Jahren bemerkbar machen. Bei Männern tritt das im späteren Lebensabschnitten auf.



Therapiemöglichkeiten

Da die Ursache des Raynaud-Syndroms nicht bekannt ist, kann der Arzt nicht die Ursache behandeln, wohl aber die Symptome lindern.
Neben Allgemeinmaßnahmen wird oft versucht die Blutgefäße mit Hilfe von Medikamenten zu erweitern. Obwohl eine solche Behandlung häufig angewandt wird, ist dieses Vorgehen dennoch problematisch, denn viele Raynaud-Patienten haben einen niedrigen Blutdruck, der durch die Gefäßerweiterung noch mehr gesenkt wird. Ebenfalls gefäßerweiternd wirkt Nitroglyzerinsalbe. Trägt man dieses Mittel auf die Finger auf, dehnen sich die darunter liegenden Arterien aus. Die schweren Fälle werden mit Infusionen behandelt. Seit kurzem haben wir entdeckt, dass ein gewisser Rotlichtlaser die Raynaud-Beschwerden erstaunlich positiv beeinflusst. Der Laser stellt somit eine neuartige, nicht-medikamentöse Therapiemöglichkeit dar. Zurzeit werden Patienten nur im Rahmen von Studien damit behandelt, da aus Kapazitätsgründen der routinemäßige Einsatz nicht möglich ist.
Bei einem sehr weit fortgeschrittenen Raynaud-Syndrom wird manchmal auch operativ eingegriffen. Zwar macht eine gezielte Nervendurchtrennung den Patienten vorübergehend beschwerdefrei, doch diese Methode hilft meist nur für wenige Monate oder Jahre.