Venen-Thrombose

Unter einer Thrombose versteht man den Verschluss eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel (Thrombus). Am häufigsten sind die tiefen Bein- und Beckenvenen betroffen. Meist entsteht eine Thrombose im Bereich kleiner Venen der Wadenmuskulatur und wächst von dort weiter in die größeren Venen. Entsteht ein Blutgerinnsel in einer oberflächlichen Vene, so bezeichnet man dies als Venenentzündung.
Während Letztere meist ungefährlich ist, besteht bei einer Thrombose im tiefen Venensystem das Risiko des Loslösens des Gerinnsels, wobei dieses infolge mit dem Blutstrom durch das Herz in die Lungenarterien gelangt und diese verstopft. Dies bezeichnet man als Lungenembolie, welche ein lebensgefährliches Krankheitsbild darstellt.

Jährlich erkranken etwa zwei von 1.000 Personen neu an einer Thrombose. In jüngeren Jahren sind Frauen häufiger betroffen als Männer, mit zunehmendem Lebensalter hebt sich dieser Geschlechtsunterschied allerdings auf. Rund ein Drittel der Betroffenen bekommt innerhalb von acht Jahren erneut eine Thrombose, wobei dieses Risiko eines erneuten Gefäßverschlusses bei Männern deutlich höher ist.



Wie entsteht eine Thrombose?

Normalerweise befinden sich im Blut jene Mechanismen, die es flüssig halten, und jene Mechanismen, die zu einer Blutgerinnung führen, im Gleichgewicht. Die Gefäßwand der Venen besitzt Eigenschaften, die der Entstehung einer Thrombose entgegenwirken. Im Blut selbst befinden sich Faktoren, die bei einer Wunde die Blutgerinnung in Gang setzen. Eine Thrombose entsteht dann, wenn zwischen diesen fördernden und hemmenden Faktoren ein Ungleichgewicht entsteht. Veränderungen in der Zusammensetzung des Blutes können dazu führen, dass die Gerinnungsbereitschaft sich erhöht und eine Thrombose entsteht. Eine solche Thrombose-Neigung bezeichnet man als Thrombophilie.



Risikofaktoren

Eine Thrombophilie kann zum Beispiel in Zusammenhang mit einer Infektion auftreten. Typisch ist auch eine erhöhte Thrombose-Neigung bei Patienten mit Tumorerkrankungen. Außerdem gibt es zahlreiche erblich bedingte Störungen, die über eine Fehlzusammensetzung der Stoffe, die an der Blutgerinnung beteiligt sind, bei der betreffenden Person zu einer Thrombose führen können. Die häufigste angeborene Thrombophilie ist die so genannte APC-Resistenz. Diese Störung findet sich bei etwa fünf Prozent der Normalbevölkerung und führt insbesondere bei Frauen, die ein hormonelles Verhütungsmittel einnehmen, zu einem deutlich erhöhten Thrombose-Risiko.
Ein erhöhtes Risiko besteht auch in Zusammenhang mit länger dauernder Bettlägerigkeit und nach Operationen. Bei Frauen, welche die Pille einnehmen, ist das Risiko einer postoperativen Thrombose um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Aus diesem Grund sollte einige Wochen vor einer geplanten Operation die Pille abgesetzt werden. Bei bestimmten Eingriffen - wie etwa nach Einsetzen eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenkes - würde ohne geeignete Thrombose-Prophylaxe bei mehr als 50 Prozent der Fälle ein solcher Gefäßverschluss auftreten. In der Schwangerschaft ist das absolute Thrombose-Risiko zwar relativ gering, aber dennoch etwa viermal höher als bei der nicht schwangeren Frau.



Symptome

Die Beschwerden sind zu Beginn der Erkrankung oft uncharakteristisch. Vielfach wird nur ein unklares Schwere- und Spannungsgefühl im Bein bemerkt. In weiterer Folge treten Schmerzen - meist in der Wade lokalisiert - und eine Schwellung des Beines auf. Die Haut verfärbt sich leicht bläulich. Die Schmerzen sind beim Stehen und Gehen verstärkt und bessern sich meist bei Hochlagern des Beines. An eine Lungenembolie muss bei zusätzlich auftretender Kurzatmigkeit oder bei stechenden Brustschmerzen gedacht werden. Wegen der potenziell lebensbedrohlichen Komplikation einer Lungenembolie muss bei jedem Verdacht auf das Vorliegen einer Thrombose unverzüglich eine ärztliche Abklärung und Behandlung erfolgen.



Diagnose

Zusätzlich zu den körperlichen Symptomen stehen dem Arzt bildgebende Verfahren zur Verfügung, mittels derer sich die Thrombose genau lokalisieren und das Ausmaß der Erkrankung festlegen lässt:

Unter diesen Verfahren, die eine direkte Darstellung der Gefäße ermöglichen, hat die farbkodierte Duplex-Sonographie (= Farbduplex) derzeit die größte Bedeutung. Sie ermöglicht eine genaue Darstellung der Bein- und Beckenvenen und damit den Nachweis einer Thrombose. Diese Untersuchung wird auch im niedergelassenen Bereich von Angiologen und Radiologen durchgeführt.
Die Phlebographie (= Darstellung des Venensystems durch Einspritzen von Kontrastmittel in eine Fußrückenvene) ist als frühere Standardmethode bei der Diagnose der Venenthrombose durch den zunehmenden Einsatz der farbkodierten Duplex-Sonographie weitgehend ersetzt worden.

Als wichtigste Differentialdiagnosen (Abgrenzung einer Krankheit von Erkrankungen mit ähnlichem Erscheinungsbild) der Beinvenenthrombose sind Erkrankungen anzuführen, welche ebenfalls zu einer schmerzhaften Schwellung des Beines führen können.

Dazu gehören in erster Linie:

  • Muskelverletzungen mit Auftreten eines Blutergusses
  • Gelenksentzündungen im Knie- oder Sprunggelenk
  • das Erysipel (=Rotlauf)
  • die oberflächliche Venenentzündung (=Thrombophlebitis).


Was können Sie selbst tun?

Vorbeugen ist besser als heilen - daher nimmt die Prophylaxe einen wichtigen Stellenwert ein:
Einfachste Methode ist die Bewegung! Merken Sie sich: S + S (Sitzen und Stehen) sind schlecht, L + L (Liegen und Laufen) sind gut. Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit und tragen Sie bequeme, nicht einengende Kleidung. Ein vorbeugender Schutz vor einer Thrombose kann nur erreicht werden, wenn die oben genannten Risikofaktoren minimiert werden und ein ausreichend rascher Blutfluss im venösen Gefäßsystem bestehen bleibt.
Sicherstes Mittel zur Thrombose-Prophylaxe sind Heparin-Injektionen. Heparin ist ein natürlich vorkommender Wirkstoff, der die Blutgerinnung hemmt. Die Substanz beugt der Bildung von Venenthrombosen vor, wenn sie unter die Haut (subkutan) verabreicht wird. Während noch vor einiger Zeit drei Spritzen pro Tag für einen ausreichenden Schutz benötigt wurden, sind die modernen niedermolekularen Heparine im Körper länger wirksam: Schon eine einzige Spritze täglich bietet einen wirksamen Schutz vor Blutgerinnseln. Weitere Pluspunkte der modernen Heparin-Präparate sind ihre gute Verträglichkeit und ihre geringen Nebenwirkungen. Niedermolekulare Heparine gibt es in Form von Fertigspritzen und Pens, die der Patient problemlos selbst anwenden kann.

In den letzten Jahren hat die so genannte Reisethrombose viel Beachtung gefunden. Mit relativ einfachen Maßnahmen lässt sich ein solches Ereignis während eines Langstreckenfluges vermeiden:

  • Machen Sie wann immer möglich Bewegung. Bewegung ist die beste Prophylaxe gegen eine Thrombose. Stehen Sie während eines Langstreckenfluges öfter einmal auf und machen Sie jede Stunde einen Spaziergang über den Wolken. Auch im Sitzen können Sie aktiv werden: Beugen und strecken Sie den Fuß, führen Sie damit kreisende Bewegungen aus, wippen Sie mit den Beinen.
  • Ebenso wichtig wie ausreichende Beinbewegung ist die Flüssigkeitszufuhr. Auf einem Flug von Wien nach New York verliert der Körper rund einen Liter Flüssigkeit. Daher ausreichend trinken!
  • Wadenstrümpfe der Kompressionsklasse I bis II anlegen.
  • Bei Risikopatienten - so etwa nach früherer Thrombose, bei kurz zurückliegendem operativem Eingriff oder ausgeprägter Krampfadern-Erkrankung - sollte zusätzlich eine Injektion mit einem niedermolekularen Heparin kurz vor Reiseantritt erfolgen (bei längeren Rundreisen eine Injektion täglich).

Sollte der Verdacht auf eine Thrombose bestehen (spontan auftretende Schmerzen im Bein, insbesondere bei zusätzlicher Schwellung), sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, da nur bei sofortigem Therapiebeginn schwerwiegende Folgen wie z.B. eine Lungenembolie sicher vermieden werden können.



Was macht der Arzt?

Die medikamentöse Therapie der Beinvenenthrombose erfolgt mit einem Heparin-Präparat, wobei heutzutage meist niedermolekulare Heparine eingesetzt werden, welche von mehreren Firmen angeboten werden. Die ausgezeichnete Bioverfügbarkeit der unterschiedlichen niedermolekularen Heparine mit längerer Halbwertszeit (= entspricht dem Zeitraum, in dem die Hälfte des Medikaments im Körper abgebaut wird) im Vergleich zu den älteren Heparin-Präparaten ermöglicht eine gewichtsangepasste Dosierung mit langen Injektionsintervallen: Je nach Präparat sind eine bis zwei tägliche Injektionen in der Regel ausreichend, um einen 24 Stunden andauernden blutverdünnenden Effekt zu erzielen.
Während bis vor einigen Jahren die Therapie von Thrombosen fast ausschließlich stationär im Krankenhaus erfolgte, ist dies heute sehr oft schon ambulant möglich. Nach einer Thrombose muss über einige Monate hinweg eine blutverdünnende Therapie weitergeführt werden, wobei dies meist durch Einnahme von Tabletten (wie etwa Marcoumar®) erfolgt. Zur richtigen Einstellung sind dann regelmäßige Kontrollen etwa alle vier Wochen notwendig.
Die Kompressionsbehandlung ist die älteste und wirksamste therapeutische Maßnahme bei Erkrankungen der Venen. Auch bei der Behandlung der tiefen Beinvenenthrombose ist eine Kompressionsbehandlung der betroffenen Extremität (mittels spezieller Verbände, Kompressionsstrümpfe oder -strumpfhosen) obligat, um den Thrombus einerseits lokal zu festigen (Verhinderung einer Embolie) und andererseits ein Abschwellen der betroffenen Extremität zu fördern bzw. einer Schwellungsneigung entgegenzuwirken.